„Dringende Empfehlung“ zum Maskentragen als Hilfe zum Exit

  • Bürgerinformation

von Dr. med. Matthias Gruber  (CC-BY-ND)( https://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/)

Die Bundesregierung hat am 15.4.2020 eine „dringende Empfehlung“ zum Tragen einer Atemmaske beschlossen.  Zwischenzeitliche Studienergebnisse belegen einen deutlichen Infektionsschutz auch für den einfachen Mund-Nasen-Schutz1, woran in Fachkreisen generell auch nie Zweifel bestand. Eine allgemeine Maskenpflicht wird m.E. sicherlich dann eingeführt werden, wenn eine flächendeckende Versorgung mit Mund-Nasen-Schutz wieder sichergestellt werden kann. Vom Grundkonsens besteht offensichtlich auch Einigkeit darüber, dass eine Ausstiegsstrategie alternative Möglichkeiten der Infektionseindämmung voraussetzt, hier sind im Wesentlichen Atemmasken sowie eine sog. App für Smartphones als Frühwarnsystem aktuell im Gespräch.  Die Hygieneregeln sowie das Abstandsgebot werden dabei natürlich weitergeführt.  Der Zeitgewinn durch die beschlossene Verlängerung der Kontaktbeschränkungen wird sicher intensiv dazu genutzt werden, die Produktion von Atemschutzmaterialien hochzufahren und ggf. weitere Ressourcen zu erschließen.

ffp 2 oder 3, MNS oder BMNS?

Zur Infektionseindämmung über die Atemwege stehen im wesentlichen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Zum einen sind dies die im medizinischen Sektor verwendeten sog. ffp-Masken, diese bestehen aus einem dichten, in der Maschengröße definierten Filtermaterial, welches auch kleinere Tröpfchen und Partikel zurückhalten kann. Der Nachteil dieses dichten Materials besteht darin, dass dem Träger das Atmen hierdurch schwerer fällt.  Daraus resultiert die Tatsache, dass  zur Erleichterung des Ausatmens in der Maske ein Ventil angebracht ist, welches sich beim Ausatmen öffnet und beim Einatmen schließt. Der große Nachteil dieser Masken besteht nun darin, dass sie deshalb lediglich den Träger, nicht aber die Umgebung, vor einer Infektion schützen (dies aber auch nicht zu 100%, da die Poren immer noch wesentlich größer als die Viruspartikel selbst sind2). Für die Bevölkerung ist dieser ffp-Maskentyp auch nur schwer bzw. gar nicht zu beschaffen. Für bestimmte Personen kann er aber sinnvoll sein. Daher sollte man sich als Mitglied einer Risikogruppe von seinem Hausarzt (telefonisch) beraten lassen. Atemmasken z.B. aus dem 3D-Drucker mit einem „beliebigen“ Filtermaterial stellen keinesfalls einen Ersatz für ffp-Masken dar und sind von ihrer Wirkung her eher mit dem Mund-Nasen-Schutz vergleichbar.

Nur ein Behelf?

Für die Allgemeinheit viel interessanter ist zum anderen aber der sog. Mund-Nasen-Schutz (MNS, z.B. in seiner klassischen Variante als Einmal-OP-Maske) oder der Behelfs-Mund-Nasen-Schutz (BMNS), also selbstgenäht aus Baumwollstoff. Die Bezeichnung „Behelf“ ist aber ein wenig irreführend, wurden doch bis in die 60er-Jahre diese Baumwollmasken im professionellen Bereich, z.B. in Krankenhäusern, verwendet, denn Einmalmaterial war damals viel zu teuer und daher unüblich. Der Begriff „Behelf“ ist eher den Juristen geschuldet, denn hierdurch wird zum Ausdruck gebracht, dass es sich nicht um ein zertifiziertes Medizinprodukt nach dem Gesetz handelt, sondern um ein selbst hergestelltes Produkt, welches z.B. aufgrund der verwendeten Materialen auch unterschiedliche Qualitäten besitzen kann3. Der Vorteil des BMNS ist aber, dass es plausibel erscheint, dass er andere Personen effektiv vor einer Infektion schützen kann, leicht selbst hergestellt werden kann und nach täglichem Waschen und Bügeln wiederverwendbar ist. Auch kann er tagsüber mehrmals durch Bügeln „regeneriert“ werden.

Fazit

Das große Problem der aktuellen Pandemie besteht eben darin, dass das Virus bereits andere infiziert, während man selbst noch keinerlei Symptome verspürt, d.h. alleine mit einer Isolation von Erkrankten (d.h. Personen, die Symptome spüren) kann man die massenweise Verbreitung des Virus nicht verhindern (so wie das z.B. bei der Tuberkulose möglich ist).  Wäre es nun so, dass wirklich jeder einen MNS oder BMNS tragen würde, so wäre dies ein großer Schritt in Richtung Infektionseindämmung4. Es gibt zwischenzeitlich auch gewerbliche Anbieter dieses BMNS. Vielleicht kann man aber einen BMNS auch von Freunden, Nachbarn oder Verwandten anfertigen lassen, die nähen können und geeignetes Material zur Verfügung haben. Im Rathaus von Markt Erlbach besteht zudem für Menschen, die keine andere Möglichkeit haben, einen BMNS zu bekommen, das Angebot, über die Initiative „Masken tragen – Verantwortung zeigen“ einen BMNS zu beziehen (Frau A. Tiefelunter Tel. 09106 - 9293-12 oder a.tiefel@markt-erlbach.de)

Auch ist auf der Homepage der Gemeinde Markt Erlbach eine entsprechende Näh- und Waschanleitung hinterlegt.

Quellenangaben:

1: Podcast von Prof. C. Drosten im NDR vom 6.4.2020 (https://mediandr-a.akamaihd.net/download/podcasts/podcast4684/AU-20200406-1356-1100.mp3)

2: Die Porenweite von ffp-Masken: Masken der FFP-Klasse 1 dürfen eine Gesamtleckage von höchstens 25 % aufweisen, Masken der FFP-Kl. 2 von höchstens 11 % und Masken der FFP-Kl. 3 von höchstens 5 %, bei einem mittleren Partikeldurchmesser von 0,6 µm (=600nm, die Größe einzelner Corona-Viren beträgt ca. 120-160nm); dies sind also rein technische Definitionen und sagen nichts über die tatsächliche Schutzfunktion einer ffp-Maske aus. Hierzu bräuchte man klinische Studien.

3: Findige Anwälte verschicken daher bei Nichtbeachtung dieser differenzierten Bezeichnungen Abmahnschreiben mit einer entsprechenden Gebührennote, welche der Infektionseindämmung allerdings nicht dienlich sind. 

4: Podcast Prof. C. Drosten im NDR vom 17.3.2020 (https://mediandr-a.akamaihd.net/download/podcasts/podcast4684/AU-20200317-1311-2700.mp3)

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